Das Summen der Kaffeemaschine war das lauteste Geräusch in der kleinen Küche, bis Jonas’ Smartphone vibrierte. Schon wieder eine Terminerinnerung. Er seufzte, griff nach seiner Tasse und blickte auf die Uhr. In zwanzig Minuten musste er im Büro sein. Der Autopilot in seinem Kopf lief bereits auf Hochtouren: E-Mails beantworten, den Bericht fertigstellen, den Wocheneinkauf erledigen.
Jonas spürte, wie sich seine Schultern anspannten. In der Hektik des Alltags funktionierte er meistens nur, anstatt wirklich zu leben. Er setzte sich an den Küchentisch, schob das Telefon ein Stück beiseite und schloss für einen Moment die Augen.
Er beschloss, ein paar Minuten innezuhalten. Es brauchte keine feierlichen Worte oder eine Kirche. In Gedanken begann er einfach ein Gespräch mit Gott. Er erzählte ihm ganz ungezwungen, was er gerade tat und was ihn beschäftigte. Er sprach über die Sorge vor der anstehenden Präsentation, die ihm Kummer machte, aber auch über die Vorfreude auf das Wochenende. Als er die Augen wieder öffnete, hatte sich die Welt da draußen nicht verändert, aber in seinem Inneren war es friedlicher geworden.
Einige Wochen später war der Stress der Arbeit vergessen. Es war ein warmer Samstagnachmittag im Sommer, und Jonas saß im Garten. Um ihn herum herrschte buntes Treiben. Seine Kinder lachten, während sie den Hund durch den Rasensprenger jagten. Seine Frau reichte ihm ein Stück frisch gebackenen Kuchen, und am großen Gartentisch saßen Freunde, die spontan vorbeigekommen waren.
Es war eine dieser erfüllten Zeiten, in denen das Glück fast greifbar schien. Mitten im Lachen und Plaudern hielt Jonas für einen kurzen Moment inne. Er blickte in die Runde und schickte einen kurzen Gruß an Gott gen Himmel. Es war ein spontanes, lautloses Danke. Danke dafür, dass ich lebe. Danke für diese Familie. Danke für die Freunde, die meinen Weg begleiten. Dieses kurze Innehalten machte den Moment noch intensiver.
Der Sonntagabend brachte schließlich eine ganz andere Qualität von Zeit. Das Haus war still, die Gäste waren weg, die Kinder schliefen. Jonas saß auf dem Balkon und blickte in den Abendhimmel. Nach den lebhaften Stunden tat die Ruhe gut, doch in seinem Kopf schwirrten noch die Eindrücke des Wochenendes umher – eine typische Zerstreuung der Freizeit.
Anstatt zum Buch oder wieder zum Smartphone zu greifen, entschied er sich bewusst dagegen. Er wollte ein paar Minuten innehalten. Er atmete tief ein, wurde ruhig und schwieg. Er lauschte nicht auf die Geräusche der Straße, sondern horchte nach innen.
Er bewertete nichts, er forderte nichts. Er ließ die Gedanken einfach kommen und gehen wie Wolken am Himmel. Und in dieser tiefen Stille spürte er eine leise Gewissheit. Vielleicht war es genau diese Ruhe, in der Gott zu ihm sprach – nicht mit lauter Stimme, sondern durch das tiefe Gefühl von Frieden und Geborgenheit, das sich langsam in ihm ausbreitete.
Bildquelle: OB
Textquelle: OB