Es war einer dieser Morgen, an denen die Luft so kalt ist, dass sie in der Nase beißt und die Welt wie unter Glas erstarrt scheint. Elias trat vor die Tür, und sofort legte sich die Kälte wie eine kühle Hand auf seine Stirn. In seinem Kopf war es laut gewesen – die unerledigten Aufgaben der Woche, die Sorgen um das neue Jahr, ein endloser Strom aus „Ich müsste“ und „Was wäre wenn“.
Er begann zu laufen. Der Boden unter seinen Stiefeln gab ein trockenes, metallisches Knirschen von sich.
Zuerst wehrte er sich innerlich gegen den Frost. Er zog die Schultern hoch, spannte den Kiefer an. Doch die Kälte war unerbittlich. Sie fragte nicht nach seinen Plänen oder seinen Sorgen. Sie war einfach da – klar, ehrlich und direkt. Nach ein paar Minuten passierte etwas: Die Kälte zwang ihn zur Kapitulation. Er ließ die Schultern sinken und atmete tief ein.
Vor ihm stand eine alte Eiche, deren Äste von einer dicken Schicht Raureif überzogen waren. Sie sah aus wie eine Skulptur aus Kristall. Er blieb stehen und beobachtete seinen eigenen Atem – weiße, tanzende Wölkchen, die in der klaren Luft für Sekunden sichtbar wurden und dann im Nichts verschwanden.
„Genau wie meine Sorgen“, dachte er. „Sie tauchen auf, nehmen Raum ein und lösen sich auf, wenn ich sie nur ziehen lasse.“
In diesem Moment der absoluten Stille wurde es in seinem Kopf plötzlich ganz ruhig. Die Kälte hatte den „Lärm“ einfach weggefroren. Es gab nur noch das Licht, das sich in den Eiskristallen brach, und das Gefühl seiner Lungen, die sich mit frischer Kraft füllten. Alles Unwichtige, dieser ganze Ballast, den er wie einen schweren Mantel mitgeschleppt hatte, fühlte sich fern an. Er merkte: Er brauchte keine komplizierten Lösungen. Er brauchte nur diesen nächsten, klaren Schritt.
Als Elias zurückkehrte, war sein Gesicht gerötet und seine Finger klamm, aber sein Geist war so hell wie der Wintermorgen selbst. Der Reset-Knopf war gedrückt.

Bildquelle: OB